Mehr Raum für Wildnis

Foto: Dr. Tilo Geisel
Foto: Dr. Tilo Geisel

Stiftung vergrößert ihr Wildnisgebiet Heidehof mit Förderung durch den neuen Wildnisfonds der Bundesregierung.

Jüterbog, 26.11.2020. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg gehört zu den ersten beiden Projektpartnern, die über den neu eingerichteten Wildnisfonds der Bundesregierung beim Flächenkauf von Wildnisgebieten gefördert werden. Mit dem Kauf von rund 73 Hektar Fläche auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof kann die Stiftung hier ihre bestehende Wildnisfläche auf 2085 Hektar vergrößern. Ein wertvoller, weiträumig unzerschnittener Lebens- und Rückzugsraum für Tier- und Pflanzenarten wird so dauerhaft für den Wildnisschutz gesichert.



„Im Jahr unseres 20. Jubiläums gibt es einen besonderen Grund zu feiern“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Dr. Andreas Meißner. „Wir gehören zu den beiden ersten Organisationen, die mithilfe des Wildnisfonds der Bundesregierung Flächen für den Wildnisschutz kaufen und dauerhaft sichern. Für diese Unterstützung möchten wir uns herzlich bedanken.“

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ist als „Die Wildnisstiftung“ eine der größten und erfahrensten privaten Eigentümerinnen von Wildnisflächen in Deutschland. Insgesamt betreut sie Flächen mit einer Größe von rund 13.600 ha im Land Brandenburg. Auf rund zwei Drittel der Fläche finden bereits keine Eingriffe mehr statt. Hier entwickeln sich Urwälder von morgen als Wildnisgebiete im Sinne der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Dank der Förderung durch den Wildnisfonds kommen nun 73 Hektar Fläche auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof hinzu.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Seit Jahrhunderten wird nahezu die gesamte Landfläche in Deutschland stark vom Menschen beeinflusst. Große, zusammenhängende Gebiete, in denen sich die Natur vom Menschen ungestört entwickeln kann, sind sehr selten. Dabei sind wilde Ökosysteme unverzichtbar für den Schutz unserer Lebensgrundlage, der biologischen Vielfalt. Um diese natürlichen Lebensräume wieder zu aktivieren, ist es das Ziel der Bundesregierung, mindestens zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands wieder zu Wildnis werden zu lassen. Diesem Ziel wollen wir mit dem Wildnisfonds ein großes Stück näherkommen. Jetzt machen wir den Anfang mit zwei bemerkenswerten Flächen: Mit der Förderung des Ankaufs einer bedeutenden Fläche Waldwildnis im Frankenwald setzen wir einen starken Impuls für die laufende Wildnisentwicklung in Thüringen. In Brandenburg wird das bestehende große Wildnisgebiet  „Heidehof“ um einen weiteren wertvollen Teil erweitert.“

Über die ersten Projekte im Rahmen des Wildnisfonds freut sich auch die Initiative „Wildnis in Deutschland“, ein breites Bündnis aus 19 namhaften Naturschutzorganisationen, das sich für die Einrichtung des Fonds einsetzte. „Jetzt stellt der Wildnisfonds seine Wirksamkeit unter Beweis. Ein wichtiger Meilenstein für den Naturschutz, um wertvolle Lebensräume zu erhalten“, so Manuel Schweiger von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die Koordinator der Initiative „Wildnis in Deutschland“ ist.

Nach Erweiterung der Heidehof-Flächen durch die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg in den letzten Jahren ist hier ein beeindruckendes Wildnisgebiet auf über 2000 Hektar entstanden, das Rückzugsräume für zahlreiche teils bedrohte Tier- und Pflanzenarten bietet. Es ist ein wichtiger Lebensraum für das hier ansässige Wolfsrudel und seltene Arten wie z. B. Ziegenmelker und Zauneidechse. Die Biotope reichen von offenen Sandlebensräumen und Besenheiden über Pionierwälder aus Birken und Kiefern bis hin zu älteren Traubeneichenwäldern, die sich zu Urwäldern von morgen entwickeln. Die Flächen liegen im Naturschutzgebiet „Heidehof-Golmberg“, das auch nach europäischem Recht gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie geschützt ist.


Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg engagiert sich als „Die Wildnisstiftung“ seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mit eigenen Flächen und Expertise für Wildnisgebiete und deren Vernetzung.
Sie ist eine der größten privaten Eigentümerinnen von Wildnisgebieten in Deutschland.
Stifter sind das Land Brandenburg, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, der Naturschutzbund
Deutschland (NABU), die Umweltstiftung WWF Deutschland, der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung, die Gregor Louisoder Umweltstiftung und eine Privatperson.
Die private Stiftung besitzt und verwaltet auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen Jüterbog, Heidehof, Lieberose und Tangersdorf Flächen im Umfang von rund 13.600 ha. Sie setzt sich für die ökologische Vernetzung ihrer Flächen ein und macht sie erlebbar. Als Vermittlerin von Fachwissen und Expertenaustausch engagiert sie sich dafür, das Thema Wildnisschutz im politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs voranzubringen.
Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ist Partner der gemeinsam mit vielen Naturschutzverbänden ins Leben gerufenen Initiative „Wildnis in Deutschland“, die unter www.Wildnis-in-Deutschland.de Hintergrundinformationen und einen Newsletter zum Thema anbietet.

Weitere Informationen unter www.stiftung-nlb.de



Förderprogramm Wildnisfonds

Mit dem Förderprogramm „Förderung der Wildnisentwicklung in Deutschland“ (Wildnisfonds) unterstützt das Bundesumweltministerium gezielt Maßnahmen, um das Zwei-Prozent-Wildnisziels der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) zu erreichen. Das Ziel sieht vor, dass sich die Natur auf mindestens zwei Prozent der Fläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickelt. Das betrifft beispielsweise Wälder, Bergbaufolgelandschaften, ehemalige Truppenübungsplätze, Gebiete an Fließgewässern oder an Meeresküsten, in Mooren und im Hochgebirge. Wildnisgebiete im Sinne des Zwei-Prozent-Ziels der NBS sind ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, in denen ein vom Menschen unbeeinflusster Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft gewährleistet ist.
Im aktuellen Bundeshaushalt stehen für den Wildnisfonds 20 Millionen Euro bereit. Der Wildnisfonds ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Mit seiner Betreuung ist die bundeseigene Projektträgerin Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH beauftragt.

Zur Pressemitteilung des BMU vom 26.11.2020

Zur Pressemitteilung der Initiative Wildnis in Deutschland vom 26.11.2020